Künstler im Café

By blauestunde

Wieder so eine Begebenheit, die mich beklemmt. Ich war im Café. Zwei alte nette Herren mir gegenüber. Der eine Amerikaner, leicht ungepflegt, Mitte 60, wischt sich seinen graugelben Scheitel hin und wieder aus dem Gesicht. Der andere Prinz Eisenherz ohne Bart, Mitte 50. Beide sind das, was man lieb nennt. Unschuldig. Sie reden stundenlang und freuen sich dabei auf etwas, das merkt man. Und dann drücken sie am Ende dem Kellner großzügig Trinkgeld in die Hand, vielleicht ein Euro, und dazu eine Broschüre für eine Kunstausstellung. Allerdings nicht hier in Köln, in der Voreifel. Falls der Kellner Lust hätte… Die Broschüre kostete im Druck sicher über einen Euro. Die beiden Künstler strahlen den armen jungen Mann an. Wenn er Lust hätte… Sie verabschieden sich ungefähr vier Mal, rufen am Ende nochmal beseelt in die Küche. Mann war das ein Abend! Wie schön wir uns unterhalten haben Jürgen. Yes, yes, that’s true. Und dann freuen sie sich auf die vielen Besucher. Und haben alles genau geplant. Aber es werden nicht viele kommen. Dafür der Sparkassendirektor. Aber sie werden darunter nicht leiden, sie werden es schade finden und den Fehler darin suchen, dass viele übers Wochenende wegfahren. Ich glaube, dass dieses Liebe nicht aufgesetzt ist, aber ich spüre, dass darunter eine grabentiefe Traurigkeit liegt, deren sich die beiden vielleicht nicht einmal bewusst sind. Ich würde gerne auf die Ausstellung. Aber ich habe keinen Prospekt.

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